Dieses Dokument ist Bestandteil der Nutzungsbedingungen. Es muss beim ersten Start der App aktiv bestätigt werden und bei jeder wesentlichen Änderung erneut.
Das Wichtigste in vier Sätzen
Gipfelbuch ist ein Planungshilfsmittel, keine Gefahrenbeurteilung.
Die App ersetzt nicht den amtlichen Lawinenlagebericht im Original, nicht amtliche Wetterwarnungen, nicht deine eigene Beurteilung der Verhältnisse vor Ort und nicht eine alpine Ausbildung.
Bleibt eine Warnung aus, ist das keine Entwarnung. Aus dem Fehlen einer Meldung, einer Push-Benachrichtigung oder einer Markierung darf niemals geschlossen werden, dass keine Gefahr besteht.
Wer sich im alpinen Gelände bewegt, setzt sich Gefahren aus, die niemand vollständig beherrscht. Du übernimmst dieses Risiko und die Verantwortung für deine Entscheidungen selbst.
1. Was diese App ist — und was sie nicht ist
Sie ist: eine Zusammenstellung öffentlich verfügbarer Daten, eigener Berechnungen und Erfahrungsberichte anderer Nutzerinnen und Nutzer, aufbereitet für die Tourenplanung und für den zusätzlichen Überblick unterwegs.
Sie ist nicht: ein amtlicher Warndienst, ein Ersatz für den Lawinenlagebericht, ein Ersatz für Wetterberatung, ein Rettungsdienst, ein Navigationssystem für den Notfall und keine Freigabe für irgendeine Tour.
Wir sind keine Behörde. Wir betreiben keinen Lawinenwarndienst und keinen Wetterdienst. Wir geben Daten weiter, die andere erheben, und wir berechnen daraus Hinweise. Beides kann falsch, veraltet, unvollständig oder gar nicht verfügbar sein.
2. Die Grenzen jeder einzelnen Funktion
Dieser Abschnitt ist der wichtigste des ganzen Dokuments. Er beschreibt, was die Berechnungen und Anzeigen tatsächlich leisten. Lies ihn einmal vollständig, bevor du dich auf eine Funktion verlässt.
2.1 Hangneigung und Geländeanalyse (Lawinen-Sicherheitscheck)
Die Hangneigung wird aus einem digitalen Geländemodell (DGM) mit einer Rasterweite von typischerweise 5 bis 10 Metern berechnet. Daraus folgt:
Die angezeigte Neigung ist ein Mittelwert über die Rasterzelle, nicht die Neigung an einem konkreten Punkt. Kleinräumige Steilstufen, Rinnen, Wechten, Geländekanten und Felsstufen unterhalb der Rasterweite werden nicht abgebildet. Eine als 32° dargestellte Fläche kann lokal deutlich über 40° aufweisen.
Geländemodelle sind unterschiedlich alt und unterschiedlich genau. In steilem Fels, im Wald und in Gletscherbereichen sind die Fehler am größten. Gletscher verändern ihre Oberfläche jährlich; das Modell tut das nicht.
Schnee verändert das Gelände. Triebschneeansammlungen, Wechten, Schneebrücken über Spalten und ausgeaperte Stellen sind in keinem Geländemodell enthalten.
Die Analyse betrachtet ausschließlich Neigung, Exposition und Höhenlage. Sie enthält keine Aussage über Schneedeckenaufbau, Schwachschichten, Setzungsgeräusche, Verwehung, Einstrahlung oder Wechtenbildung — also über genau die Faktoren, die entscheiden, ob eine Lawine abgeht.
Fernauslösung, Gleitschnee- und Nassschneelawinen sowie Lawinen aus darüberliegenden Einzugsgebieten werden nicht modelliert. Eine flache Fläche kann im Auslaufbereich eines Hanges liegen, der 500 Meter höher beginnt.
Wald wird nicht als Schutzfaktor und nicht als Risikofaktor bewertet.
Eine grün eingefärbte Fläche bedeutet nicht, dass dort keine Lawine abgehen kann.
Ein Lawinenlagebericht ist eine regionale Prognose, keine Zustandsbeschreibung und keine Zusicherung. Innerhalb einer Region gibt es erhebliche lokale Unterschiede.
Wir zeigen den Bericht nachgeführt an. Zwischen der Veröffentlichung durch den Warndienst und der Anzeige in der App können Minuten bis Stunden vergehen; bei fehlender Netzverbindung wird ein zwischengespeicherter, möglicherweise veralteter Stand angezeigt. Jede Anzeige trägt einen Zeitstempel — prüfe ihn.
Die Zuordnung deines Standorts zu einer Warnregion erfolgt automatisch. An Regionsgrenzen kann die Zuordnung abweichen von dem, was der Warndienst meint.
Wir stellen Bulletins verkürzt dar. Der Volltext — insbesondere Gefahrenstellen, Schneedeckenaufbau und Tendenz — enthält Informationen, die in der Kurzansicht fehlen. Zu jedem Bulletin führt ein Link auf das Original. Lies das Original.
Für einzelne Regionen ist unter Umständen kein Bulletin verfügbar. Das bedeutet nicht, dass dort keine Lawinengefahr besteht.
Wir geben Warnungen der Warndienste unverändert im Inhalt, aber gefiltert nach Region weiter. Maßgeblich ist immer die Originalmeldung des jeweiligen Dienstes.
Warnungen erreichen uns über Schnittstellen, die ausfallen, verzögert liefern oder Daten unvollständig übertragen können. Eine lückenlose Zustellung ist technisch nicht gewährleistet.
Warnschwellen und Warnkriterien unterscheiden sich zwischen den Ländern. Eine Warnstufe in Österreich ist nicht dasselbe wie dieselbe Stufe in Deutschland oder Italien.
Ein Gebiet ohne Warnung ist ein Gebiet, für das der zuständige Dienst keine Warnung ausgegeben hat — nicht ein Gebiet ohne Wettergefahr.
2.4 Gewitter-Umkreiswarnung
Die Warnung beruht auf radar-erkannten Gewitterzellen des zuständigen Wetterdienstes (in Österreich GeoSphere Austria) sowie auf Modellprognosen Dritter. Zwischen der Erfassung einer Zelle und der Anzeige in der App vergeht Zeit — für Erfassung, Übertragung, Verarbeitung und Zustellung der Push-Nachricht. Diese Verzögerung kann mehrere Minuten betragen.
Es findet keine Blitzortung statt. Erfasst werden Gewitterzellen im Radarbild, nicht einzelne Entladungen. Eine Zelle kann bereits elektrisch aktiv sein, bevor sie im Radar als Gewitterzelle erkannt wird.
Außerhalb Österreichs stehen keine Radar-Zellendaten zur Verfügung. Dort beruht die Anzeige ausschließlich auf einer Modellprognose mit deutlich gröberer räumlicher und zeitlicher Auflösung.
Gewitter entstehen im Gebirge lokal und schnell. Eine Zelle kann sich direkt über dir bilden, ohne dass zuvor eine Zelle im Umkreis erfasst wurde.
Der eingestellte Umkreis ist eine willkürliche Distanz, keine Sicherheitszone. Blitzeinschläge treten regelmäßig mehrere Kilometer vom Niederschlagskern entfernt auf.
Diese Funktion ist ein zusätzlicher Hinweis. Der Himmel, dein Gehör und deine Zeitplanung bleiben die primären Instrumente.
2.5 Wind- und Startfensteranalyse (Gleitschirm)
Grundlage sind numerische Wettermodelle mit einer horizontalen Auflösung von typischerweise 1 bis 12 Kilometern. Bei dieser Auflösung existieren einzelne Berge, Grate, Kessel und Talwinde im Modell schlicht nicht.
Thermik, Leewalzen, Düseneffekte, Hangaufwind, Talwindsysteme und Böigkeit sind nicht oder nur stark vereinfacht abgebildet.
Eine Startfensterangabe ist eine Modellaussage über großräumige Verhältnisse, keine Freigabe für einen bestimmten Startplatz zu einer bestimmten Zeit.
Angaben zu Startplätzen stammen überwiegend von Nutzerinnen und Nutzern. Sie können veraltet sein, und rechtliche Verhältnisse — Grundeigentum, Betretungsverbote, Naturschutzgebiete, Luftraumbeschränkungen — ändern sich, ohne dass wir davon erfahren.
Luftraum: Die App ist keine Luftraum-Informationsquelle. Verbindlich sind ausschließlich die amtlichen Luftfahrtinformationen (AIP, NOTAM) und die jeweiligen nationalen Regelungen.
2.6 Community-Beiträge und Bedingungsberichte
Beiträge sind persönliche Beobachtungen einzelner Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie sind weder geprüft noch verifiziert noch von uns bestätigt.
Ein Verifizierungsstatus („verifizierter Bergführer", „verifizierter Pilot") sagt aus, dass wir eine Qualifikation einmal geprüft haben. Er sagt nichts über die Richtigkeit eines konkreten Beitrags aus.
Bedingungen im Gebirge ändern sich innerhalb von Stunden. Ein Bericht von gestern kann heute grob irreführend sein. Achte auf den Zeitstempel.
Ein Beitrag ist keine Freigabe und keine Empfehlung. Dass jemand eine Tour gemacht hat, heißt nicht, dass sie heute, bei diesen Verhältnissen, für dich mit deiner Ausrüstung und deinem Können machbar ist.
2.7 Karten, Routen und Höhendaten
Karten- und Routendaten stammen aus amtlichen Quellen und aus OpenStreetMap und werden in unterschiedlichen Intervallen aktualisiert. Wege können verlegt, gesperrt, weggerissen oder gar nicht mehr vorhanden sein.
Eine eingezeichnete Route ist keine Aussage über Begehbarkeit, Schwierigkeit, Zustand oder Zulässigkeit — auch nicht darüber, ob das Betreten erlaubt ist. Wege- und Betretungsrechte, Wildruhezonen, Schutzgebiete und saisonale Sperren sind in den Daten oft nicht enthalten.
Höhenangaben, Distanzen und Steigungswerte sind Näherungen. Berechnete Gehzeiten sind statistische Schätzungen und gelten nicht für dich.
Offline gespeicherte Karten geben den Stand des Herunterladens wieder.
2.8 GPS, Aufzeichnung und Genauigkeit
Die Positionsgenauigkeit hängt von Empfangsbedingungen ab. In engen Tälern, unter Felswänden, im Wald und bei schlechten Wetterbedingungen kann die Abweichung mehrere zehn Meter betragen; barometrische und GPS-Höhen weichen regelmäßig voneinander ab.
Aufzeichnung und Warnfunktionen brauchen Akku. Kälte reduziert die Akkulaufzeit drastisch. Energiesparfunktionen des Betriebssystems können die Hintergrundaufzeichnung beenden, ohne dass wir das verhindern oder zuverlässig melden können.
Ein Smartphone ist keine Notfallausrüstung. Es ersetzt weder LVS-Gerät, Sonde und Schaufel noch Karte und Kompass noch ein Notfallkonzept.
2.9 Push-Benachrichtigungen
Push-Nachrichten laufen über Systeme Dritter (Apple APNs, Google FCM). Wir haben keinen Einfluss auf die Zustellung. Nachrichten können verzögert, gar nicht oder mehrfach ankommen — abhängig von Netzabdeckung, Akkustand, Energiesparmodus, Systemeinstellungen und Störungen bei den Anbietern.
Verlasse dich niemals darauf, dass eine Warnung dich erreicht.
3. Eigenverantwortung
Die Entscheidung, ob, wann und wie du eine Tour unternimmst, triffst allein du. Prüfe vor jeder Tour eigenständig:
den amtlichen Lawinenlagebericht im Original und die amtliche Wetterprognose,
die Verhältnisse vor Ort, laufend und mit eigenen Augen,
ob deine Ausbildung, deine Erfahrung, deine Kondition und deine Ausrüstung zur Tour passen,
ob deine Notfallausrüstung vollständig, funktionsfähig und geübt ist,
ob jemand weiß, wo du bist und wann du zurück sein willst.
Wenn Anzeige in der App und Beobachtung vor Ort auseinandergehen, gilt immer das, was du siehst.
Im Notfall: Alpinnotruf 140 (Österreich), Euronotruf 112.
4. Haftung
4.1 Was wir nicht ausschließen
Wir haften uneingeschränkt bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit sowie in allen Fällen der Verletzung von Leben, Körper oder Gesundheit. Ebenso besteht unsere Haftung uneingeschränkt, soweit sie sich aus dem Produkthaftungsgesetz oder aus anderen zwingenden gesetzlichen Bestimmungen ergibt.
Diese Haftung kann durch Vereinbarung nicht ausgeschlossen und nicht beschränkt werden — nach § 9 Produkthaftungsgesetz, nach § 6 Abs 1 Z 9 KSchG gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern und, für ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr gebrachte Fassungen, nach Art. 15 der Richtlinie (EU) 2024/2853 in ihrer österreichischen Umsetzung. Nichts in diesem Dokument ist so zu verstehen, dass es diese Ansprüche einschränkt.
4.2 Was wir ausschließen
Für leichte Fahrlässigkeit ist unsere Haftung für Sachschäden und reine Vermögensschäden ausgeschlossen. Dies gilt ausdrücklich nicht für Schäden an der Person und nicht für die in 4.1 genannten Fälle.
Insbesondere übernehmen wir keine Gewähr für:
Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität aller dargestellten Daten, gleich ob eigen berechnet oder von Dritten bezogen,
die Verfügbarkeit des Dienstes und die Zustellung von Benachrichtigungen,
die Inhalte, die Nutzerinnen und Nutzer beitragen (Art. 6 der Verordnung (EU) 2022/2065),
die Richtigkeit von Daten der amtlichen Warndienste, Wetterdienste und Vermessungsbehörden, deren Angaben wir lediglich weitergeben.
4.3 Mitverschulden
Wer eine sicherheitsrelevante Entscheidung allein auf Angaben dieser App stützt, ohne die in Abschnitt 3 genannten Prüfungen vorzunehmen, handelt entgegen den ausdrücklichen Hinweisen dieses Dokuments. Das kann sich auf die Beurteilung eines Mitverschuldens nach § 1304 ABGB auswirken.
5. Datenquellen
Alle verwendeten Datenquellen und die jeweiligen Lizenzen sind unter https://gipfelbuch-alpin.com/lizenzen und in der App unter Einstellungen → Über → Datenquellen und Lizenzen aufgeführt. Für die Richtigkeit dieser Daten sind die jeweiligen Herausgeber verantwortlich; alle veröffentlichen ihrerseits Haftungsausschlüsse.
Bei jeder Warnung und jedem Bulletin in der App findest du einen Link auf die Originalquelle. Im Zweifel gilt das Original.
6. Bestätigung
Mit der Nutzung der sicherheitsrelevanten Funktionen bestätigst du, dass du diese Hinweise gelesen und verstanden hast, dass du die beschriebenen Grenzen kennst und dass du das verbleibende Risiko selbst trägst.
Diese Bestätigung wird beim ersten Start eingeholt und bei jeder wesentlichen Änderung erneut. Du kannst diesen Text jederzeit unter Einstellungen → Sicherheitshinweise erneut aufrufen.